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Der rechtsextreme Flügel der Deutschen Burschenschaft (DB) scheint als vermeintlicher Gewinner aus dem Sondertreffen in Stuttgart hervorzugehen. Auch die Abwahl des stramm rechten Chefredakteurs der „Burschenschaftlichen Blätter“ vermag dieses Bild nicht zu beschönigen. Gemäßigte sehen baldige Spaltung als mögliche Konsequenz.
Am vergangenen Samstag endete einen Tag früher als geplant der Sonder-Burschentag in Stuttgart. Begleitet wurde das Treffen der 500 Delegierten, welche die rund 100 Mitgliedsverbände vertraten, von heftigen Protesten. Die Polizei riegelte mit zwei Hundertschaften das Gelände um die Sängerhalle in Stuttgarter ab und untersagte den Burschen zeitweise das Verlassen des Geländes.
Ähnlich wie auf dem regulären Burschentag in Eisenach bestimmte auf dem Sondertreffen der Burschen der interne Richtungsstreit die Debatten. Der kleinere liberal-nationale Flügel konnte nur einen Achtungserfolg für sich verbuchen, die Abwahl des rechtsextremen Chefredakteurs der Verbandszeitung „Burschenschaftlicher Blätter“, Norbert Weidner. Weidner, der schon häufiger in internen und externen Debatten eine Rolle spielte, nicht zuletzt weil er den Widerstandskämpfer gegen die Nazidiktatur, Dietrich Bonhoeffer, als „Landesverräter“ und dessen Hinrichtung als zumindest juristisch gerechtfertigt bezeichnete, verklagte kürzlich einen damaligen Bundesbruder vom liberal-nationalen Flügel.
Dieser hatte ihn als einen „der Köpfe einer rechtsextremen Bewegung aus Burschenschaften, NPD und Kameradschaften“ bezeichnet. Mit dem Anliegen ihm diese Aussage gerichtlich untersagen zu lassen, scheiterte Weidner in der Verhandlung. Auch mit dem „Manifest zur revolutionären Neuordnung“, in dem die Abschaffung des „Parteienstaats“ und der „Herstellung wirklicher Volksherrschaft“ gefordert wird, welches er in den Burschenschaftlichen Blättern abdrucken ließ, goss er weiteres Öl ins Feuer das längst zwischen den Flügeln brannte, berichtet der Spiegel.
Seine Abwahl wird von den gemäßigten Vertretern der Burschenschaften allerdings nur als „Bauernopfer“ und „Symbolpolitik“ angesehen. Denn dieser Triumpf war der Einzige, den der rechtsextreme Flügel den liberal-nationalen lassen wollte. Die weiteren Reformvorschläge wurden abgebügelt oder bis zur Unbrauchbarkeit entschärft. So wurde der Antrag, der die Mitgliedschaft innerhalb eines Verbandes der DB und in einer verfassungsfeindlichen Organisation verbieten sollte, verwässert. Unvereinbar ist demnach nur noch die Mitgliedschaft in einer „nationalsozialistischen“ Organisation. Was damit genau gemeint ist, bleibt unklar, denn die gemeinhin bekannten nationalsozialistischen Organisationen sind seit 1945 in Deutschland verboten.
Während sich der stramm rechte, völkische Flügel euphorisch und befreit gibt, allen voran der Pressereferent Tributsch, der von einer „sehr harmonischen Atmosphäre“ spricht und resümiert: „Eine Spaltung der Deutschen Burschenschaft ist erstmal vom Tisch“, kann man in den Gesichtern der Vertreter des gemäßigteren liberal-nationalen Flügels fast die schallende Ohrfeige erahnen, die dieser Sonderburschentag inhaltlich für sie darstellt.
Resignierter fällt dementsprechend das Fazit der Vertreter dieses Flügels aus. Michael Schmidt, bis zum letzten Burschentag im Sommer diesen Jahres in Eisennach, an dem die liberal-nationalen Funktionäre von allen Ämtern aus Protest zurücktraten, selbst Pressesprecher, bilanziert mit Blick auf Tributschs Äußerungen im Spiegel: „Mir ist ja klar, dass er das alles gut verkaufen muss. Ich halt das aber für eine euphemistische Sicht auf das, was gelaufen ist. [...] Wenn sie unter einer Spaltung die Aufteilung in zwei gleich große Hälften verstehen, dann kommt es sicherlich nicht dazu. Aber eine Aufteilung im Verhältnis 80 zu 20 ist durchaus realistisch“.
Sollte es zu dieser Aufteilung kommen, werden das Verhalten prominenter Burschen und das ihrer Burschenschaften von Interesse sein. Neben aktiven Politikern wie Peter Ramsauer und Hans-Peter Uhl (beide CSU) gehört auch Kai Diekmann, der Chefredakteur der Bildzeitung einer Mitgliedsburschenschaft der Deutschen Burschenschaft an. Ob sie im Falle einer Spaltung genug „Schmiss“ haben, wird sich dann erweisen.
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3 Kommentare
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Montag, 26. November 2012
gepostet von Paul.Pa.
Warum sollten Akademiker, die in der NPD sind, denn nicht Mitglieder einer Burschenschaft sein können?
Genießen sie denn keine Grundrechte mehr oder sind ihnen gar die bürgerlichen Ehrenrechte wegen ihrer Parteizugehörigkeit entzogen?
Diese Jagd auf politisch Mißliebige erinnert mich langsam an die Inquisition und ist einer Demokratie unwürdig.
Auch, wenn ich deren Meinung nicht teile, haben diese Leute das Recht ihre Ansichten zu äußern und sich zu organisieren - auch in einer Burschenschaft. -
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Montag, 26. November 2012
gepostet von Rainer Zufall
Bei Burschis wundert mich nicht mehr viel, nachdem ich diesen Bericht über eine "gemäßigte" Burschenschaft gelsen habe, die nach der Spiegelkarte auch nicht in der Burschenschaftlichen Gemeinschaft ist: http://ghgle.wordpress.com/2012/06/28/inside-germania-leipzig/
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Montag, 26. November 2012
gepostet von WW
Na, dann steht der zukünftigen Karriere in Politik und Wirtschaft ja nichts mehr entgegen. Eliten braucht das Land, jippi...
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Geschrieben von: Roichi
2013-05-22 18:59:35
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