Die Sicherheitsbehörden in Mecklenburg-Vorpommern zeigen weiter klare Kante und versuchen dem Ruf eines Konzertparadieses für Neonazis entgegenzuwirken. Im letzten Jahre verzeichnete die Statistik 26 entsprechende Events im Ostseebundesland. 13 davon gingen im „Thinghaus“, einem landesweit bekannten Szene-Treffpunkt in Grevesmühlen (Landkreis Nordwestmecklenburg), über die Bühne.
Nachdem bereits vor drei Wochen ein geplantes Rechtsrock-Konzert in eben dieser Lokalität von einem Großaufgebot der Polizei unterbunden worden war, verhinderte die zuständige Behörde gestern eine weitere geplante braune Musikveranstaltung in Viereck (Landkreis Vorpommern-Greifswald). Nach Angaben der Organisatoren sei „die politische Polizei“ am Vorabend mit der Ankündigung vorstellig geworden, die Veranstaltung zu untersagen. Eine Verbotsverfügung sei am Samstag zugestellt worden. Darin hieß es, „es würden aufgrund einer fehlenden baulichen Umnutzung Gefahren für die Gesundheit der Besucher bestehen.“
Mit dem als „privat“ deklarierten Konzert sollte „ideell und finanziell“ der Wiederaufbau eines Gebäudes unterstützt werden, das im Vorfeld des Pressefestes des NPD-eigenen Deutsche Stimme-Verlages Ziel eines Brandanschlages geworden war. Die Polizei vermutete seinerzeit einen politischen Hintergrund. Obwohl die Ausrichtung des NPD-Festes, zu dem 1.000 Neonazis aus der ganzen Republik angereist waren, nicht beeinträchtigt wurde, setzte die NPD-Fraktion eine Belohnung zur Ergreifung der oder des Täters aus.
Angesichts des hochkarätigen Musikprogramms glaubten die Behörden nicht, dass es sich um eine private Veranstaltung handele, obwohl – so die Organisatoren – persönlich adressierte Einladungen versendet worden seien. Neben „Words of Anger“, die in wenigen Wochen eine neue CD veröffentlichen, standen „Strongside“ (mit zwei Titel auf dem entlarvend betitelten Sampler „Wir rocken das System“ vertreten) und „Helle und die Racker“ auf dem Billing.
Mit der Verpflichtung von „x.X.x.“ hievten die Ausrichter des Solidaritäts-Konzertes ein echtes Szene-Zugpferd an Bord. Die Berliner Gruppe, die bis zum Jahre 2004 unter dem Namen „Deutsch. Stolz. Treue.“ (D.S.T.) bekannt war, zählt zu den inhaltlich radikalsten Vertretern des Rechtsrock-Genres. Bis auf ihre letzte Splitveröffentlichung mit „Stumkommando“ sind alle Alben indiziert. Darunter befindet sich das erste Demo „Rassenschande“ oder eine CD mit dem Titel „Deutsches Volk erwache“. Zwei Bandmitglieder wurden 2009 wegen Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vom Berliner Landgericht zu Bewährungsstrafen von 14 bzw. zehn Monaten verurteilt.
Da nach Auffassung der Veranstalter die Verbotsverfügung „unverhältnismäßig, unhaltbar und offensichtlich rechtswidrig“ sei, soll Klage gegen das Verbot eingereicht werden. Ähnlich war auch seinerzeit nach dem geplanzten Konzert in Grevesmühlen argumentiert worden.






