Die NPD spielt in der Berliner Szene nur die zweite Geige, die Autonomen Nationalisten geben hier den Ton an. Auf rund 260 NPD-Anhänger kommen mehr als 1.000 Neonazis und „subkulturell geprägte und sonstige gewaltbereite Rechtsextremisten“ (wie sie der Verfassungsschutz) nennt. An der Spitze der NPD steht seit wenigen Monaten der 26-jährige Sebastian Schmidtke, vom Boulevard zu „Berlins gefährlichstem Neonazi“ erklärt. Er treibt die Verzahnung zwischen Partei und und militanten Kameradschaften weiter voran, ohne die Unterstützung „freier“ Strukturen ist die Hauptstadt-NPD nahezu handlungsunfähig.
Eine Gelegenheit, ihre rassistische Hetze zu transportieren, bietet der NPD derzeit die Kontroverse um ein geplantes Flüchtlingsnotaufnahmelager im Stadtteil Rudow. Nach Parteiangaben verteilten die Aktivisten mehrere tausend Flugblätter in der unmittelbaren Umgebung der August-Fröhlich-Straße. In den zurückliegenden Wochen führten die Rechtsextremisten bereits drei Kundgebungen durch, für den heutigen Samstag haben sie sogar zwei Veranstaltungen angemeldet.
Vor zwei Wochen störte eine 18-köpfige Gruppe von NPD-Unterstützern um Landeschef Schmidtke und den Neuköllner Kreisvorsitzenden Sebastian Thom eine Informationsveranstaltung, bei der auch der Film „The truth lies in Rostock“ über die rassistischen Pogrome in Rostock-Lichtenhagen 1992 gezeigt wurde, berichtet der Störungsmelder. Die „Kameraden“ positionierten sich einschüchternd vor dem Eingang des Versammlungssaals.
Dass die NPD heute schwere Geschütze auffährt, ist kein Zufall. Denn am 21. November 1992 ermordeten Neonazis den Antifaschisten Silvio Meier, ihm soll am 24. November mit einem Demonstrationszug unter dem Motto „Erinnern heißt kämpfen - den antifaschistischen Selbstschutz organisieren!“ gedacht werden. Angemeldet sind 1.500 Personen. Neben der Demonstration sind auch eine Mahnwache und drei „Silvio-Meier-Solipartys“ geplant.
Demgegenüber scheinen die Teilnehmerzahlen der beiden NPD-Veranstaltungen geradezu bescheiden. In Rudow wollen die Rechtsextremisten 100 Gesinnungsgenossen mobilisieren, in der Lückstraße, wo die zweite Kundgebung unter dem Motto „Kein Kiez für Linkskriminelle“ stattfinden soll, erwartet die Partei zehn Sympathisanten. Ob diese Kundgebung tatsächlich über die Bühne gehen wird, ist zur Stunde noch unklar.
Die NPD nimmt für sich in Anspruch, „die Öffentlichkeit aufklären, was CDU, Linke, SPD, Grüne, Piraten und Flüchtlingsrat hinter dem Rücken der einheimischen Bevölkerung versuchen umzusetzen.“. Deshalb hat sie die größere der beiden Veranstaltung auch unter Parole „WIR sagen klar und deutlich: Wir wollen KEIN Asylantenheim in Rudow!“ gestellt.
Die Mobilisierung zu vier Gegenkundgebungen läuft unterdessen auf Hochtouren. Ab 12.00 Uhr haben verschiedene Initiativen, Gewerkschaften und Parteien an der Rudower Spinne, wo sich die NPD nur eine Stunde später sammeln will, vier Veranstaltungen angemeldet. Der DGB, die Grünen, die Linkspartei und das Bündnis „Neukölln gegen Nazis“ werden den Neonazis aus allen vier Himmelsrichtungen auf die Pelle rücken. Weitere Informationen gibt es auf diesem Plan.
Foto: Bernd Kudanek alias bjk, Lizenz: CC






