Wer auf einen Beschluss gehofft hatte, ein Verfahren möglichst bald einzuleiten, wurde enttäuscht. Erst einmal wurde vereinbart, systematisch Beweise zu sammeln, um die Verfassungswidrigkeit der rechtsextremistischen Partei zu belegen. Dazu werden die V-Leute in den NPD-Führungsgremien zum 2. April abgeschaltet. Bis zuletzt war diese Maßnahme umstritten, da besonders aus CDU-geführten Bundesländern die Befürchtung geäußert wurde, damit könnte der Informationsfluss aus der Partei versiegen. Gestern jedoch wurde die Entscheidung einstimmig getroffen.
Einig waren sich die Ressortchefs darüber, „dass die NPD eine Partei ist, die unsere Demokratie und unsere Verfassung ablehnt“, sagte Innenminister Hans-Peter Friedrich nach der Sitzung.
Die Entscheidung über ein Verbotsverfahren wurde auf Ende des Jahres vertagt. Solange wollen die Sicherheitsbehörden belastbares Beweismaterial sammeln, das bis zum Jahre 2008 zurückreichen soll. Diese Aufgabe wird für die Ermittler nicht leicht werden, denn Beweise, die aus V-Mann-Quellen stammen, dürfen keine Verwendung finden. Ein erstes Verbotsverfahren war 2003 an der zweifelhaften Rolle von Quellen der Verfassungsschutzämter in den Führungsetagen der Partei bei der Beweisführung gescheitert.
Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz Lorenz Caffier aus Mecklenburg-Vorpommern zeigte gegenüber dem SPIEGEL die Marschrichtung an: „Unser Ziel ist es, ein Verbot der NPD zu erreichen.“ Vermutlich wird die Innenministerkonferenz im kommenden Dezember über den weiteren Verlauf entscheiden.
Ob ein solches Verfahren tatsächlich zu gewinnen ist, bleibt weiterhin umstritten. Deshalb warnen führende Politiker vor einem überhasteten Vorgehen. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte dem SPIEGEL, „Sorgfalt geht vor Schnelligkeit“. Bundestagspräsident Norbert Lammert bereitet eine mögliche lange Verfahrensdauer vor dem Bundesverfassungsgericht Bauchschmerzen. Da in dieser Zeit viele Wahlen stattfinden würden, befürchtet er, die NPD könne sich zum Märtyrer stilisieren, um so bei dem Wahlvolk zu punkten.
Der Innenminister von Niedersachsen, Uwe Schünemann, bezeichnete ein eventuelles Scheitern vor Gericht als „Super-Gau“. Ähnlich äußerte sich auch CSU-Mann Friedrich: Scheiterten die Demokraten, wäre dies „ein großer Schaden und ein Triumph für die NPD.“
Selbst für den Verbotsfall gibt sich die NPD-Parteispitze optimistisch. Der Fraktionsvorsitzende Udo Pastörs kündigte einen „Plan B“ an. Außerdem drohte er: „Es werden sich schneller als den Machthabern lieb ist andere Organisationsformen bilden“. Einen nicht formal organisierten Widerstand fiele es sogar leichter, „in staatlichen Institutionen und in anderen Lebensbereichen Fuß zu fassen“.






