Eine für Thor Steinar unerwartete Reaktion. In einer heute veröffentlichten Pressemitteilung entschuldigt sich die Mediatex GmbH für die mit der Namenswahl entstandenen Assoziationen und kündigt eine zeitnahe Namensänderung an.
Am 1. März hatte Thor Steinar in Chemnitz eine neue Filiale namens „Brevik“ eröffnet. Die Wahl des Namens hatte deutschlandweit für Entsetzen gesorgt, da sie unweigerlich an den Massenmörder Anders Behring Breivik erinnert, der im Sommer vergangenen Jahres 77 Menschen tötete, darunter 69 überwiegend jugendliche Teilnehmer eines sozialdemokratischen Sommerlagers.
Kurioserweise erschien die öffentliche Entschuldigung und Distanzierung von Breivik fast zeitgleich mit dessen Anklage. Die Staatsanwälte haben heute offiziell Anklage gegen den Norweger wegen Terrorismus erhoben – ihm drohen bis zu 21 Jahre Haft.
In der Stellungnahme der Mediatex GmbH, für die sich Rainer Schmidt, Leiter des dortigen Rechtsbüros verantwortlich zeichnet, distanziert sich die bei Neonazis wohl beliebteste Kleidermarke von jeglicher Gewalttat und von Extremisten. Die sprachliche Ähnlichkeit des Namens sei „fatal, aber nicht gewollt und sollte keinesfalls eine Provokation darstellen“, so Mediatex.
Die Betreiber des Geschäfts in der Mühlenstraße 102 haben bereits reagiert und den Schriftzug „Brevik“ entfernt. Offenbar ist dieser Schritt allerdings vom Vermieter ausgegangen. Laut „Sachsen Fernsehen“ habe dieser den Ladenbetreiber aufgefordert, das Schild zu entfernen. Der Name sei nicht von ihm genehmigt gewesen.
Vor allem das gewaltige Medienecho dürfte die Mediatex GmbH zu dieser Stellungnahme genötigt haben. Das Thema wurde nicht nur von den regionalen Medien aufgegriffen, deutschlandweit wurde über die provokante Namenswahl berichtet. Mittlerweile haben die taz, die Welt, die Sueddeutsche, der stern, RTL oder auch Focus online („Kleidungsgeschäft namen einem Massenmörder benannt?“) das Thema aufgegriffen. International berichteten von der problematischen Neueröffnung gar die L.A.Times, BBC News, The Guardian, das spanische La Vanguardía, El Pais, das englischsprachige Spiegel Online und viele norwegische Zeitungen.
Wohl auch aufgrund der starken Medienpräsenz in den letzten Tagen reagieren die Mitarbeiter des Thor Steinar-Laden derzeit äußerst gereizt. Journalisten seien fotografiert und auch die Nummernschilder notiert worden sein. Ein RTL-Kamerateam wurde während einer Aufnahme unsanft aus dem Laden gedrängt.
Wie für Thor Steinar üblich, gibt die Mediatex in ihrer Stellungnahme auch gleich eine Warnung mit auf den Weg. Gegen jede unwahre Tatsachenbehauptung werde man juristisch vorgehen. Zuletzt hatte Mediatex Storch Heinar verklagt, da das Klamottenprojekt die Markenrechte verletzen und die Marke verunglimpfen würde. Allerdings wies das Landgericht Nürnberg-Fürth die Vorwürfe im Wesentlichen zurück und Thor Steinar musste eine empfindliche Niederlage einstecken.
Um das eigentliche Ziel vieler Anrainer und Einwohner von Chemnitz – die Schließung des Ladens – zu erreichen, soll am heutigen Abend das „Bündnis Buntes Brühl“ ins Leben gerufen gerufen werden. Initiiert wurde dieses Bürgerbündnis von der SPD-Landtagsabgeordneten Hanka Kliese, deren Bürgerbüro nur wenige Meter vom „Brevik“ entfernt liegt.
Update: Die Beitreiber haben bereits neue Schilder angebracht. Nun schimpft sich der Thor-Steinar-Laden Tønsberg – nach Glinde, Schwerin und Berlin somit bereits das vierte Geschäft unter dem Namen.






