Freitag, 30. Dezember 2011

Unerwünschtes Weihnachtsgeschenk: NPD-Websites gehackt

von 
Deutsche-Stimme-offline
Mehrere rechtsextreme Websites fielen in diesen Tagen der vom Chaos Computer Club organisierten Veranstaltung „28C3“ zum Opfer. NPD-Seiten wurden gehackt, eine Kundendatenbank mit Adressen wurde veröffentlicht. Aber auch Anonymous hat erneut zugeschlagen.
Storch Heinar

Bei dem Hack am Rande des 28. Chaos Communication Congress (28C3), der heute in Berlin endete, wurde offenbar ein Leck in der Programmierung ausgenutzt. Wie „Heise“ berichtet, hätten sich die Hacker dabei Zugang zu den Datenbanken zahlreicher NPD-Landesverbände, sowie einiger Parteifunktionäre verschafft.

Gelistet wurden auf der Seite des „28C3“ vor allem Internetseiten der NPD, für die die Firma „naweko - Agentur für Neue Medien“ verantwortlich zeichnet. Chef des Unternehmens ist Frank Franz, Vorsitzender des NPD-Landesverbandes Saarland und seit einigen Wochen Pressesprecher der Bundes-NPD.

Zuletzt wurde im Mai ein NPD-Server von einer Gruppe namens „n0-N4m3 Cr3w“ gehackt, der ebenfalls auf Franz registriert war. Kurze Zeit später stellten Aktivisten der Gruppe eine NPD-Spenderliste online, die offenbar auf dem Server nicht ausreichend gesichert war.

Auch diesmal waren vor allem sächsische Websites betroffen. So konnten sich die ungebetenen Gäste Zugriff zu den Datenbanken des sächsisches Landesverbandes, der sächsischen NPD-Fraktion oder auch der persönlichen Online-Präsenz des neuen NPD-Vorsitzenden Holger Apfel verschaffen. Sensible Daten fanden die Hacker auf den Seiten jedoch offenbar nicht.

Wesentlich problematischer gestaltet sich der Hack der Internetseite des „Nationales Versandhauses“. Bei dem Online-Shop können neben bei Rechtsextremen beliebte Kleidung auch Schlagstöcke oder Quarz-Handschuhe erworben werden. In dem Fall wurden die Inhalte der Datenbank veröffentlicht, in der Name, Anschrift, E-Mail-Adresse und Telefonnummer der Kunden gelistet sind. Zudem wurde eine Karte (PDF) erstellt, an der man deutlich erkennen kann, dass der Großteil der Kunden aus dem ostdeutschen Bundesländern stammt.

Die Betreiber haben mittlerweile Anzeige erstattet und sich bei den betroffenen Kunden für den Vorfall entschuldigt. „Wir möchten uns hiermit bei den Betroffenen endschuldigen [sic!]! Es wurde bereits von unserer Seite aus Anzeige wegen Datenklau, der Veröffentlichung von Privatdaten und unerlaubten Zugriff auf unseren Server erstattet“, heißt es in einer ersten Stellungnahme.

Aber auch Online-Aktivisten der Gruppe Anonymous scheinen die Weihnachtszeit für einige Hacks rechtsextremer Seiten zu nutzen. Im Rahmen einer „Operation Blitzkrieg“ werden seit einigen Tagen Online-Shops angegriffen, die dann oft für einige Stunden schwer oder gar nicht erreichbar sind. Aktuell läuft offenbar eine Denial-of-Service-(DDoS)-Attacke gegen die Internetseiten des NPD-Parteiorgans „Deutsche Stimme“ und das Online-Versandhaus „NS-Versand“. Nach eigenen Angaben haben sich die Hacker auch Altermedia vorgenommen, doch die Seite scheint dem Angriff – zumindest momentan – noch trotzen zu können.

Bereits seit Mittwoch ist auch das NPD-nahe Portal „Deutschlandecho“ nicht mehr zu erreichen. Selbst die für die Seite verantwortlichen Personen sprechen von einem „Rätsel“ und scheinen sich nicht sicher zu sein, wieso die Seite nicht wie gewünscht funktioniert. Das Portal hatte in der Vergangenheit bereits des Öfteren mit technischen Problemen zu kämpfen und scheint der Komplikationen auch in diesem Fall nicht Herr werden zu können.
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39 Kommentare

  • Kommentar-Link WW Samstag, 31. Dezember 2011 gepostet von WW

    Geil! :-)

  • Kommentar-Link flight93 Samstag, 31. Dezember 2011 gepostet von flight93

    Geniale Aktion.
    Alles braune zerhacken und im Klo runter damit.
    Beim Deutschlandecho auf FB jammerten die was rum das an den Plugin "rumgespielt" wurde und das sie sagten "Wir kommen wieder"

  • Kommentar-Link Paul.pa Samstag, 31. Dezember 2011 gepostet von Paul.pa

    Geil????
    Wie wäre es eigentlich, wenn die Nazis anderer Leute Seiten hacken würden?
    Auch, geil???

  • Kommentar-Link Roichi Samstag, 31. Dezember 2011 gepostet von Roichi

    @ Paul

    Das ist in etwa so wahrscheinlich, wie Demoblockaden durch Nazis.
    Wenn es dort Leute gäbe, die dazu in der Lage wären, hätten die Angriffe nicht stattgefunden, bzw. wären nicht erfolgreich gewesen.

  • Kommentar-Link NoOn3 Samstag, 31. Dezember 2011 gepostet von NoOn3

    @Paul.pa
    Sogenannte DDOS Atacken gingen vor kurzem auch schonmal von Rechtsextremen aus. Diese waren allerdings relativ leicht, wodurch es zu keiner großen Einschränkung seitens der betroffenen Webseiten kam.

  • Kommentar-Link flight93 Samstag, 31. Dezember 2011 gepostet von flight93

    Ist einfach nur putzig,die Nazis sind echt zu blöde ihre "Weltnetz-Seiten" zu schützen.
    Trotzdem immer geil,geil und nochmals geeeiiiel.
    Die CCC-Leute und Anonymous sollen eine richtige Wald und Flurbereinigung im WWW durchführen und eine "Endlösung" in Sachen Nazi-Web-Sites durchführen damit die Massenverblödung von rechts endet und eine Sackgasse für die Braunies wird.Dann sollten die Nazis die Tastatur wieder mit den Füller tauschen. Hahahaaaaiii ich lach mir gleich den Arsch weg schon zum 4.oder 5.Mal werden die Nazis vorgeführt.

  • Kommentar-Link Felix Samstag, 31. Dezember 2011 gepostet von Felix

    Ich halte Zivilcourage in Form von Gegendemonstrationen wie in Bielefeld für angebrachter. Mit blockierten Webseiten dagegen können die Amateur-Nazis ihren Opferkult weiterpflegen.

  • Kommentar-Link knorke Sonntag, 01. Januar 2012 gepostet von knorke

    @Felix
    ich auch.

    Ausserdem hat Webistes hacken hat was von Hauswand beschmieren oder Reifen zerstechen.

  • Kommentar-Link NoOn3 Sonntag, 01. Januar 2012 gepostet von NoOn3

    @Felix
    Die Webseiten wurden nicht nur blockiert, sonder es wurden auch Daten(von Kunden, etc.) gestohlen.

    Natürlich können die Nazis auch ohne ihre Webseiten ihren "Kult" weiterpflegen.

    Allerdings wird ihnen der Zugang zu Informationen doch ein wenig gestört. Und das (meines Erachtens) wichtigstes Medium für ihre Propaganda ist gestört. Zum Anderen sind solche Hackerattacken natürlich nicht legal. Aber man muss auch festhalten, das die Seitenadministratoren scheinbar nachlässig bei der Sicherheit ihrer Websiten waren, wodurch sie viele Kunden unmutwillig großer Gefahr aussetzen.

  • Kommentar-Link Paul.pa Sonntag, 01. Januar 2012 gepostet von Paul.pa

    Dass die Nazis zu blöde sind ähnliche Aktionen zu starten, ist keine Antwort auf meine Frage.
    Ich hatte gefragt, ob ähnliche Aktivitäten von ihrer Seite auch als " geil" bewertet werden würden.
    Leider hat mir darauf niemand geantwortet.

  • Kommentar-Link Tonji Sonntag, 01. Januar 2012 gepostet von Tonji

    @ Paul.pa:
    Du erwartest doch nicht etwa wirklich eine brauchbare Antwort darauf , oder?

    @ flight93:
    zitat flight93: "Ist einfach nur putzig,die Nazis sind echt zu blöde ihre "Weltnetz-Seiten" zu schützen."

    Sony war also so blöd wie Nazis als sämtliche Kundendaten von PSN geklaut worden sind oder was?

  • Kommentar-Link NoOn3 Sonntag, 01. Januar 2012 gepostet von NoOn3

    @Paul.pa
    Wo sag ich dass die Nazis zu dumm sind? Na klar werten einige Personen diese Hackerangriffe als geil. Aber wäre die Aktion von den Rechten auch einigermaßen stark verlaufen, hätten sich doch sicher auch einige von denen gefreut, oder etwa nicht? Woher sollte sonst der Wille dazu kommen?
    Einige haben auch beim Stratfor-Hack, der in den letzten Tagen stattfand, "geil" gerufen. Ich denke mal, dass diese Firma relativ wenig mit der Rechtsextremen Szene zu tun hat, oder? Ich hab übrigens auch schonmal bei einem Hack, zwar nicht "geil" gerufen, aber ich fand ihn trotzdem einfach cool: http://newsfeed.time.com/2011/06/04/operation-cupcake-british-spies-hack-al-qaedas-magazine-to-replace-bombs-with-cupcakes/


    Natürlich muss man auch erwähnen, dass die Netzwerkadministrtoren einen Teil der Schuld tragen. Natürlich ist es schwer, besonders für Versandhäuser, den Internetauftritt sicher zu gestalten. Aber wer das nicht leisten kann, lässt nunmal die Tür zu den Daten der Kunden auf.

  • Kommentar-Link WW Montag, 02. Januar 2012 gepostet von WW

    Paul.pa...

    "Wie wäre es eigentlich, wenn die Nazis anderer Leute Seiten hacken würden?
    Auch, geil???"

    Nein, ungeil.

  • Kommentar-Link WW Montag, 02. Januar 2012 gepostet von WW

    Knorke...

    "Ausserdem hat Webistes hacken hat was von Hauswand beschmieren oder Reifen zerstechen."

    Nein, denn dabei entsteht materieller Sachschaden, also echter Wertverlust.
    Außerdem dienen die Seiten der Verbreitung von rechtsradikaler Propaganda, was bei Autoreifen und Wänden nicht verhindert wird.

  • Kommentar-Link Amtsträger Montag, 02. Januar 2012 gepostet von Amtsträger

    Lieber NoOn3,

    "Natürlich muss man auch erwähnen, dass die Netzwerkadministrtoren einen Teil der Schuld tragen."

    Und die vergewaltigte Frau trägt auch eine Mitschuld, weil der Rock zu kurz war?

    Lieber WW,

    eine temporär nicht erreichbare Seite stellt auch einen Schaden dar. Schaden ist jeder wirtschaftlich meßbarer Nachteil, nicht nur Wertverlust.

  • Kommentar-Link knorke Montag, 02. Januar 2012 gepostet von knorke

    @WW
    Wenn der Hack auch den Diebstahl von Daten beinhaltet (siehe NoOn3 Kommentar oben), kann das durchaus einen wirtschaftlichen Schaden beinhalten. Ausserdem hat man Instandsetzungskosten und, bei Versandhäusern oder kostenpflichtigen Websites, uU sogar entgangene Umsätze.
    Ich denke, dass dies billigend in Kauf genommen - möglicherweise sogar gewollt wird.

    Diese Art des Protests ist für mich nicht akzeptabel, da nicht rechtsstatlich. Dass ich als Analogie Reifenzerstechen und Hauswand beschmieren nenne ist dabei übrigens schon untertrieben.

    Was mich daran übrigens ebenfalls stört ist, dass hierbei einige wenige sich Daten verschaffen, mit denen auch massiver Missbrauch möglich ist. Ich möchte mich nicht auf ein anonym arbeitendes, abgrenzbares Netzwerk verlassen, wenn es darum geht, dass mit der Macht, die dieses sich verschafft, kein Missbrauch betrieben wird.

  • Kommentar-Link NoOn3 Montag, 02. Januar 2012 gepostet von NoOn3

    @Amtsträger,

    "Und die vergewaltigte Frau trägt auch eine Mitschuld, weil der Rock zu kurz war? "
    Nein, so wie sie es hier gerade versuchen, kann man das Internet nicht mit der Realität vergleichen. Ansonsten könnte ich jetz ketzerisch gegenfragen:" Herr Gaddafi trägt auch Mitschuld an seinem Sturz?". Diese Fälle können wir aber nicht verallgemeinern und auf das Internet beziehen. Das ist schlichtweg unmöglich.

    @WW,
    Es wurden Daten von Personen entwendet, die die Anschrift, Passwörter, E-Mail Adressen, Bankdaten etc. umfasssen. In den falschen Händen kann das schlimmer enden als nur mit materiellen Schäden.

    Übrigens fgibt es jetzt auch eine Webseite ähnlich Wikileaks für Nazis, und ihre Webseiten. Die daten, die man dort einsehen kann sind wirklich sehr umfassend. Diese Webseite arbeitet übrigens global, wodurch man Sachen von der NPD, aber auch von anderen Seiten(zum Beispiel dem Blood and Honour Netzwerk) finden kann.

  • Kommentar-Link abc Montag, 02. Januar 2012 gepostet von abc

    Wir haben glücklicherweise noch eine Meinungsfreiheit hier in Deutschland, welche aber von unserer Politik immer mehr eingeschränkt wird. Meiner Meinung nach sollte die Politik hier unser Volk so betreuen wie es Ihr Mandat ist und nicht das Volk ausplündern und betrügen. So wird der Nährboden geschaffen das einen Teil unserer Leute in die Fänge solcher Gruppierungen treibt. Mann muss nicht die Gruppierungen bekämpfen sondern die Ursache die zur Bildung solcher Gruppierungen führt. Für soziale Gerechtigkeit für alle Menschen in unserem Land.

  • Kommentar-Link Amtsträger Montag, 02. Januar 2012 gepostet von Amtsträger

    "Diese Fälle können wir aber nicht verallgemeinern und auf das Internet beziehen. Das ist schlichtweg unmöglich."

    Es handelt sich bei einem Hack um eine Straftat. Genauer Computersabotage nach §303b StGB. Das Opfer trägt, selbst wenn es einen untauglichen Schutz einrichtet, niemals eine Mitschuld!
    Die Schuld trägt einzig und allein der Täter. Dabei spielt der Inhalt der Webseite absolut keine Rolle, auch nicht wenn Sie mit diesem nicht übereinstimmen. Soweit sollten Sie die Meinungsfreiheit achten.

    Wenn Sie die Tat nun mit möglichen Straftaten z.B. nach §86a oder §§130 StGB auf den Webseiten rechtfertigen wollen, kann die Antwort nur heißen, dass Selbstjustiz in Deutschland verboten ist.

    Lieber abc,

    "Für soziale Gerechtigkeit für alle Menschen in unserem Land."

    In Deutschland muss niemand hungern oder frieren. Andere Länder, bei denen eine deutlich höhere soziale Ungleicheit herrscht, haben ähnlich große Probleme mit dem Extremismus. Demnach wäre das nicht die Ursache...

  • Kommentar-Link knorke Montag, 02. Januar 2012 gepostet von knorke

    @Amtsträger
    kommten denn theoretisch irgendeine Form von Notwehrrecht oder Nothilfe in Frage, wenn man eine Website hackt? Also Beispielsweise, weil dort ein konkreter Aufruf zu einer Straftat sich befindet oder die Seite als Plattform für sowas genutzt wird?
    Also rein interessehalber. Sie sind ja meines Wissens kein Jurist (?) aber kriegen vemrutlich aus diesem Bereich mehr mit als ich.

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