Heinars Ahnenforschung enthüllt: Hühnerzüchter Himmler und die NS-„Storchbeinpropaganda“
Verfasst von Julian Barlen-
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Wie bitte? Storch Heinars Vorfahren als riesige Propaganda-Brieftauben im Dritten Reich? Heinar will´s wissen! Eben noch sieg- und ruhmreich in Nürnberg – heute schon tief in adebarischer Ahnenforschung und der Suche nach den eigenen Wurzeln verstrickt. Was Heinrich „SS-Heini“ Himmler damit zu tun hat? Ein von Führerstorch Heinar in Auftrag gegebenes Ahnen-Dossier enthüllt Spektakuläres.
„Himmler himself“ befahl 1942 seiner – auch „Ahnenerbe“ genannten – NS-Hobbyforschertruppe tatsächlich zu klären, wie Störche (!) zum Abwurf von Feindpropaganda in Afrika eingesetzt werden könnten.
Eine skurrile Nazi-Episode, die brandaktuell belegt, dass die Geschichte der Missachtung und Entwürdigung der Heinarschen Storchenfamilie nicht erst bei Heinar beginnt. Schon zu Addis Zeiten wurden die sagenhaften Talente der klappernden Rotschnäbel sträflich verkannt. Die unrechtmäßige Ablehnung Storch Heinars auf der Modeakademie ist da nur der Gipfel der historischen Verschwörung gegen das Edle und Gute. Geholfen hat Heinar bei der Sichtung seiner historischen Fotoalben und Kneipenrechnungen jedenfalls der berühmte Experte und Fachmann für adebarische Ahnenforschung Dr. Florian Triebel. Ein treu ergebener Anhänger und enger Vertrauter Heinars aus München, der keine Kosten und Mühen gescheut und sich für seinen Auftraggeber tief in die Aktenberge des Bundesarchivs in Berlin eingegraben hat.
Zur Sache, also: Es muss sich in den 1940ern ganz nach Heinars Geschmack zugetragen haben. Heinrich Himmlers Schnapsidee, Heinars störchische Ahnen zu Propaganda-Lastvögeln umzufunktionieren, wurde flugs zur absoluten Chef- und natürlich Reichsgeheimsache erklärt. Klar! Denn wenn der „Plan“ des ehemaligen Hühnerzüchters und damaligen SS- und Polizeichef Himmler aufgegangen wäre (es kamen dann leider militärische Niederlagen und auch das Ende des „Dritten Reiches“ dazwischen), hätten die Störche auf ihrem jährlichen Vogelzug nach Afrika an ihren Beinen einfach tonnenweise Nazi-Flugblätter mitgenommen und diese den geneigten Buren und Eingeborenen vor die Füße flattern lassen. Für die großtoitsche Idio.., äh Ideologie, versteht sich.
Ein Witz? Keineswegs! Himmlers „Ahnenerbe“-Institut (genauer: Dr. Ernst Schäfer, promovierter Ornithologe und im Institut für Innenasien-Forschung zuständig) musste also tatsächlich richtig loslegen, um Heini Himmlers Storchenbomber startklar zu machen. Ein umgehend bei der „Rossittener Vogelwarte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften“ in Auftrag gegebenes Gutachten dämpfte allerdings die Erwartungen. Deren Leiter, Dr. Schütz, erklärte 1942 zwar, dass es „durchaus möglich sei `Störchen so gut oder noch besser als Brieftauben Nachrichten mitgeben´ zu können“, „allerdings sei die Aussicht, dass die Informationsträger ihre Botschaft auch an den „`richtigen´ Mann“ – so Schütz wörtlich – bringen würden, sehr gering“. Damit nicht genug. Heinars Ahnen-Dossier enthüllt weitere entwürdigende Details: Forschungen hätten ergeben, „dass nur ein bis zwei Prozent der beringten Störche in Afrika wiedergefunden worden seien – und dies verteilt auf mehrere Jahre.“ Um den gewünschten Effekt zu erzielen, müssten – so Dr. Schütz – zigtausende Störche beringt werden.
„Eine deutliche Absage erteilte Schütz ferner Überlegungen, die beringten Störche gesondert zu kennzeichnen, um auf sie aufmerksam zu machen. Zum einen könne man dadurch die weiße Bevölkerung gegen sich aufbringen, die die Tiere verehre und erreiche somit das Gegenteil des Beabsichtigten. Zum anderen wären sowohl auf das Gefieder eingebrachte Zeichen (Swastika?) in Flug- und Ruhehaltung nicht gleichermaßen erkennbar gewesen und genauso wie eine komplette Einfärbung (braun?) der Störche wegen des Gefiederwechsels der Vögel nur von kurzer Dauer gewesen. Kopfbedeckungen (Helme?) oder andere augenfällige `Ausrüstungen´ wären wohl aus Gewichts- und Akzeptanzgründen gescheitert. Außerdem, setzte Schütz derartigen Überlegungen präventiv entgegen, seien solche Kennzeichnungen `wegen der langen Reisedauer´ nicht einfach zu befestigen. [...] Aus all dem sei zu schließen, fasste Schütz zusammen, gäbe es bei `gründlicher Überlegung´ für diese Idee keinerlei Chancen auf Realisierung.“
Warum hatte sich SS-Himmler nur diese Flausen also in den Kopf gesetzt? Eine bloße praktische Überlegung eines pragmatischen Hühnerliebhabers, oder doch eine logische Konsequenz der Nazi-Ideologie? Auch darauf haben die Recherchen eine Antwort gefunden. Es „ist nicht auszuschließen, dass weitere Begründungen [für den Storchen-Einsatz; d. Red.] aus Himmlers germanozentrisches Weltbild resultierten. Denn der Storch ist in der nordischen Mythologie nicht nur (neben dem Eichhörnchen und dem Rotkehlchen) einer der Begleiter Donars (bzw. Thors), der als einer der höchsten Götter des germanischen Pantheons dank seiner Stärke die (nordischen) Menschen gegen Unbill verteidigte. Zudem handelte es sich bei den Störchen um die `größten Zug-Vögel aller Zonen´; sie waren mithin nicht nur mythologisch der germanischen Gottheit Donar sehr nahe, sondern als `GRÖZVAZ´e auch phonetisch dem `GRÖFAZ´.“
Verständlich auch, dass sich Himmler vor diesem Hintergrund nicht mit diesen negativen Miesmacher-Ergebnissen der Wissenschaft abspeisen ließ! Aus der Feldkommandostelle gab Himmler nach Erhalt der pessimistischen Einschätzung den Befehl, in den folgenden Jahren näher die Psyche der afrikanischen Eingeborenen und alle weiteren Fragen im Gesamtzusammenhang zu untersuchen. Wenn der Storch untauglich sei, müsse eben ein anderer Flattermann gefunden werden. Daraus wurde dann ja aus bekannten Gründen wohl nix mehr.
Eine Gewissheit hat Storch Heinar durch seine Ahnenforschung allemal: Undank ist der Welten Lohn! Ob als GRÖMAZ (Größter Modezar aller Zeiten), GRÖBAZ (Größte Brieftaube aller Zeiten) oder eben GRÖZVAZ, das Schicksal verkennt das störchische Führungstalent gestern wie heute. Nach wie vor ist es also allerhöchste Zeit, der Welt den einzig wahren Namen aufzusticken: STORCH HEINAR!
Der Artikel beruht auf Dr. Florian Triebels Aufsatz „`Storchbeinpropaganda´ im Dritten Reich“ aus dem Jahre 2004, welchen dieser Storch Heinar freundlicherweise zur Verwendung überlassen hat. Alle als Zitate gekennzeichneten Passagen sind dem Aufsatz im Wortlaut entnommen.
Julian Barlen
Kaufmann und Diplom-Volkswirt. Mitbegründer von www.endstation-rechts.de
Website: www.endstation-rechts.de2 Kommentare
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Mittwoch, den 11. August 2010 um 22:12 Uhr
veröffentlicht von Zuckmayer
Das erinnert mich an ein anderes Geflügel-Schicksal während des Dritten Reichs:
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"Was ich nicht liebte, war das Schlachten des Geflügels, doch es gehörte zu meinen unumgänglichen Pflichten - manchmal sogar in großer Anzahl, zum Verkauf. Ich gab unseren Schlachthähnen hässliche Namen, um mir die Sache seelisch zu erleichtern, wir hatten Ribbentrops, mehrere Himmlers, zwei Brüder Goebbels (Paul und Joseph), aber ich hätte auch diese nicht gern selbst geschlachtet [...]".
Aus: Carl Zuckmayer (1969). Als wär's ein Stücl von mir - Erinnerungen. Frankfurt: Fischer. (S. 425)
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Donnerstag, den 12. August 2010 um 17:57 Uhr
veröffentlicht von
Steinchen
Sehr gut! Ich bin der Meinung, endlich kommt "Bewegung" in das Verstehen, was Anti-Faschismus überhaupt bedeutet. Vor allem, welchen Wert es für das Erleben und das Verstehen von demokratische Prozesse bedeutet.
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