So warf er der Koordinatorin des örtlichen Präventionsrates vor, mit dem „Terror politischer Überkorrektheit“ Arbeitsplätze zu vernichten. Hintergrund ist die Schließung des MCS-Fashionstores in der Dompassage, der neben anderen Kleidungsstücken auch solche der Marke „Thor Steinar“ anbietet und dessen Inhaberin, Mandy Constanze Schöndorf, auch nach Gesprächen mit Vertretern der Stadt nicht bereit war, diese Marke aus ihrem Sortiment zu nehmen, auch „wegen der guten Qualität und des guten Preis-Leistungsverhältnisses der Sachen“. Die Schließung der Filiale in der Dompassage hat nun auch die Entlassung von zwei Mitarbeiterinnen zur Folge. Die Verantwortung hierfür weist Ratjen der Stadt zu.
Doch mit dem Anprangern der "Jobvernichter in" der Stadtverwaltung lässt es der ehemalige FDP-Generalsekretär nicht bewenden: Ratjen kündigte an, sich aus Solidarität zur Ladenbesitzerin und ihren Mitarbeiterinnen demnächst selbst eine Thor-Steinar-Jacke kaufen zu wollen. Bleibt abzuwarten, ob er damit dann auch gedenkt, den Landtag zu betreten.
Kommentar: Der terrorisierte Abgeordnete
von Marcus Unbenannt (Greifswald)

In den vergangenen Tagen stellt sich mir als langjährigem Greifswalder immer wieder die Frage, was den Landtagsabgeordneten Sebastian Ratjen eigentlich geritten haben mag, dass er sich in dieser Frage dermaßen verrennen konnte. Konnte man am Anfang noch Unwissenheit gepaart mir falsch verstandener Liberalität annehmen, fällt dies doch mit jeder kritischen Stellungnahme aus Wissenschaft, Politik und von engagierten Bürgern schwerer. Es gehört schon, um freundlich zu bleiben, eine gehörige Portion Ignoranz dazu, nach all den Wortmeldungen der letzten Wochen nicht zu erkennen, dass „Thor Steinar“ alles andere als eine gewöhnliche Kleidungsmarke ist und daher nicht in unseren Geschäften zu haben sein sollte.
Nein, ich glaube eher, dass es eine sehr bewusste Provokation ist, die Ratjen sich hier ganz im Stile seines Lehrers Möllemann leistet: Ein Spiel mit dem Bruch von Tabus (und der Erwerb einer Jacke des Nazi-Labels „Thor Steinar“ ist ein solches), ein Kokettieren mit rechter Symbolik und rechten Codes, ein Ansprechen unterschwelliger Vorurteile wie dem, dass es in Deutschland eine Meinungsdiktatur gäbe. Und schließlich der Vorwurf an diejenigen, die Aufklärung betreiben und Zivilcourage zeigen, die derartige Dinge nicht unter den Teppich kehren, sondern sie offen ansprechen. Ihnen hält der Volksvertreter „Terror der politischen Überkorrektheit“ vor. Diese Vokabel ist nicht nur – bewusst oder nicht – eine Übernahme rechtsradikalen Szenejargons. Sie ist auch ein Schlag ins Gesicht für die vielen Menschen im Land, die sich gegen den Rechtsextremismus im Land engagieren und viel zu oft mit dem Begriff „Terror“ ganz andere, persönliche Erfahrungen mit der Stammkundschaft von „Thor Steinar“ verbinden.
Ich denke, Herr Ratjen versündigt sich hier bewusst am Konsens der Demokraten, um damit kurzfristig bei denen punkten zu können, denen die engagierte Präventionsarbeit gegen Rechts schon lange ein Dorn im Auge ist. Die FDP im Land muss sich aber fragen lassen, wie lange sie dem Treiben ihres Ex-Generalsekretärs eigentlich noch zuschauen will. Wenn sie weiterhin, gemeinsam mit den anderen demokratischen Parteien im Landtag, klare Kante gegen Rechts zeigen will, dann besteht Handlungsbedarf.
In der Auseinandersetzung um den Verkauf von Kleidung der Marke „Thor Steinar“ in einem Geschäft in der Greifswalder Innenstadt hat der FDP-Landtagsabgeordnete Sebastian Ratjen schwere Vorwürfe in Richtung Stadtverwaltung erhoben.




