Recherchen von ENDSTATION RECHTS. zufolge war bis zuletzt über http://lastfm.spiegel.de ein internationales Netzwerk rechtsextremer, neonazistischer, nationalistischer und antisemitischer Bands, Fans und Foren mit tausenden einschlägigen Nutzern etabliert und zugänglich. Pflege und Ausbau des gemeinsamen Angebots erfolgten auf den Servern von „Last.fm“ nach dem Mitmach-Prinzip. Die eigentlichen Nutzerdaten wurden und werden dabei offenbar ausschließlich über „Last.fm“ verwaltet. „Spiegel-Online“ stiftete unter der Überschrift „Spiegel-Online Kultur“ das Layout und machte Werbung für die Kooperation. Alle rechtsextremen Inhalte sind nach dem vermutlichen Ende der Kooperation nach wie vor auf http://www.lastfm.de zu finden – nur ohne Hinweis auf „Spiegel-Online“.
Das Angebot wird rege genutzt: Unter Pseudonymen wie „Kasti1488“, „White Pride World Wide“, „Nihil-SS“ oder „odinserbe“ werden Titel wie „Gestapo Holocaust“, „88, the Number of Purity“ oder „Mein Kampf“ mittels einer statistischen Software von „Last.fm“ in persönlichen Hitparaden gelistet, bewertet und weiterempfohlen. Die „88“ steht dabei für das „H“, den achten Buchstaben im Alphabet – ein Szenecode für „Heil Hitler“. In Rechtsrock-Foren beteiligen sich darüber hinaus Benutzer wie „Arisches Kind“ mit dem Logo der verbotenen Neonazi-Organisation „Blood & Honour“ an Diskussionen über rechtsextremes Gedankengut und die passende Musik dazu. Der Nutzer „Eternal_Silence“ aus den USA freut sich in seinem Blog sinngemäß gar über “Last.fm“ als „Hafen für Menschen unseres Schlages, wo wir vergangenen Ruhm wiedererlangen und die Worte unseres großartigen, leider toten Adolf Hitler hochleben lassen können. [...] Ich möchte in diesem Blog 88 Mal den Eintrag `Sieg Heil´ sehen.“
Auf die mehrmalige schriftliche Kritik von ENDSTATION RECHTS. bzgl. dieser inadäquaten Inhalte und Strukturen gibt es bis heute weder von „Spiegel-Online“ noch „Last.fm“ eine Antwort. Die nun offenbar erfolgte faktische Distanzierung durch „Spiegel-Online“ spricht dennoch Bände. In zwei Schreiben hatte ENDSTATION RECHTS. im Mai und Juni 2008 „Spiegel-Online“ über das vorhandene Benachrichtigungssystem der Kooperationsseite auf rechtsextreme Inhalte aufmerksam gemacht und deren Beseitigung gefordert. „Spiegel-Online“ hatte bereits vor über einem Jahr, am 15. Juli 2007, in eigener Sache über „illegale und nicht-jugendgerechte“ Inhalte auf Spiegel-Online/Last.fm berichtet, das Portal kurzfristig abgeschaltet und Besserung versprochen. Nach einigen Tagen wurde das Angebot damals mit angeblich optimiertem Datenfilter und einer Kontaktmöglichkeit für Kritik wieder verfügbar gemacht. „Spiegel-Online“ versprach: „Die Nachricht geht per Mailformular an uns und Last.fm, die entsprechende Reklamationen binnen weniger Stunden prüfen [...].“ Im Falle der jüngsten „Reklamationen“ von ENDSTATION RECHTS. erfolgte also offenbar entweder keine gründlichere Prüfung oder die entsprechenden Angebote wurden als unproblematisch eingestuft. So verzeichnet „Last.fm“ mittels eines Programms, welches die Hörgewohnheiten der Nutzer analysiert und dokumentiert, für die Band „Landser“ über 10.000 Hörer. „Landser“-Kopf Michael „Lunikoff“ Regener saß wegen Bildung eben jener kriminellen Vereinigung noch bis Anfang 2008 im Gefängnis Tegel. Heute ist Regener Sänger der Band „Die Lunikoff Verschwörung“.
Die Auswahl an rechtsextremen, nationalistischen oder antisemitischen Bands und Interpreten auf „Last.fm“ ist groß – zahlreiche Namen sind an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten: „Aryan Triumph“, „Aryan Brotherhood“, „Kristallnacht“, „Endlösung“, „Reichssturm“, „Gestapo 666“, „Holocaustus“, „Zillertaler Türkenjäger“, „Blitzkrieg“, „Wehrhammer“, „Genocide Kommando“, „Jewicide“, „Gassturm“, „Gaszimmer“, „SS MANN“, „Nervengas“, „Oithanasie“ und „War 88“ sind hier nur eine sehr kleine Auswahl aus hunderten Bands.
Darunter weitere bekannte Vertreter der deutschen Neonazi-Szene: z.B. Jörg Hähnel und Frank Rennicke. Rennicke wird der rechtsextremen Szene zugeordnet und bezeichnet sich offenbar selbst als „nationaler Barde“. Jörg Hähnel – Musiker, führender NPD-Aktivist und NPD-Fraktionsmitarbeiter im Landtag von MV – ist mitsamt den zugehörigen Gruppen „Deutsche Revolutionsfront“ und „Stormfront“ vertreten. Anfang 2007 wollte Hähnel mit einem Totschläger ausgestattet den Landtag in Schwerin betreten und konnte nur von Sicherheitskräften daran gehindert werden (ENDSTATION RECHTS. berichtete ).
Ebenfalls ist die Hooliganband „Kategorie C“ zu finden. Hannes Ostendorf, Sänger der Band und Bruder des NPD- und Blood & Honour-Aktivisten Henrik Ostendorf, war 1991 nach Angaben von wikipedia an einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Bremen beteiligt. Der niedersächsische Verfassungsschutz attestiert Teilen der Band zudem enge Kontakte und Zugehörigkeit zum rechtsextremen Spektrum.
Bereits im Februar 2005 berichtete der Rechtsextremismusexperte Andreas Speit in der „taz“ über die Gesinnung von „Kategorie C – Hungrige Wölfe“. So singe Ostendorf u.a. "Hoch auf dem gelben Wagen, sitz ich beim Führer vorn, Vorwärts die Oiiii traben, lustig schmettert das MG". Regelmäßig trete die Band mit anderen Rechtsrockgruppen bei einschlägig rechtsextremen Veranstaltungen auf. 2006 wurde dann der Fußballsampler „Zu Gast bei uns“ eingezogen, auf dem „Kategorie C“ mit dem ausländerfeindlichen Titel „Deutschland dein Trikot“ vertreten war.
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Die braunen Schatten des Karnevals
Written on Montag, 08. Februar 2010 um 11:03






